Teurer Strom in Österreich: Warum die Netzkosten so hoch sind

Die Strompreise bleiben ein Dauerthema – doch ein großer Teil der Rechnung entfällt nicht auf den Energiepreis selbst, sondern auf die Netzkosten. Diese machen inzwischen einen erheblichen Anteil der Gesamtkosten aus und sind in Österreich im europäischen Vergleich auffallend hoch. Eine aktuelle Studie zeigt, warum.

Was sind Netzkosten?

Netzkosten (Netzentgelte) sind Gebühren für die Nutzung der Strominfrastruktur. Sie decken:

  • Betrieb und Wartung der Leitungen
  • Ausbau und Modernisierung der Netze
  • Integration erneuerbarer Energien
  • Verwaltung und Systemstabilität

Festgelegt werden sie von der Regulierungsbehörde E-Control. Wichtig: Verbraucher können diese Kosten durch einen Anbieterwechsel nicht beeinflussen.

114 Netzbetreiber – eine österreichische Besonderheit

Laut einer vom Thinktank oecolution beauftragten Studie des Instituts Economica gibt es in Österreich 114 Stromnetzbetreiber – deutlich mehr als in den meisten anderen EU-Ländern.

Die Studie zeigt: Diese starke Fragmentierung führt zu strukturellen Mehrkosten.

Warum?

  • Viele kleine Netzgesellschaften verursachen höhere Verwaltungs- und IT-Kosten.
  • Fixkosten verteilen sich auf weniger Kundinnen und Kunden.
  • Größere Einheiten könnten Skaleneffekte besser nutzen.

Das Ergebnis: Die Netzkosten pro Haushalt fallen höher aus als in Ländern mit stärker gebündelten Netzstrukturen.

Königsleiten mit Blick auf Stausee Durchlaßboden © Schlipstraeger/Wikipedia.org

Weitere Kostentreiber

Neben der Struktur spielen auch andere Faktoren eine Rolle:

  • Massive Investitionen in den Netzausbau
  • Anschluss von Photovoltaik- und Windkraftanlagen
  • Ausbau für E-Mobilität
  • Ländliche und alpine Regionen mit höheren Infrastrukturkosten

Gerade der notwendige Umbau des Energiesystems erfordert Milliardeninvestitionen, die über die Netzentgelte finanziert werden.

Fazit

Die hohen Netzkosten in Österreich sind kein Zufall. Sie sind das Ergebnis aus:

  • einer historisch gewachsenen Struktur mit 114 Netzbetreibern,
  • fehlenden Skaleneffekten,
  • hohen Investitionen in die Energiewende,
  • geografischen Besonderheiten.

Die Studie von oecolution und Economica macht deutlich: Die Fragmentierung des Netzes ist ein zentraler Kostentreiber – und damit ein möglicher Ansatzpunkt für zukünftige Reformen.

(Beitragsbild © Freepik.com)